Privacy

5 Februar 2007 von Andi Kommentieren »

Warum ich keine Prämienpunkte sammele hat einen Grund, ich habe vor Jahren einige Wochen in einem Callcenter für einen der großen Punkteanbieter gearbeitet. Und dass die Prämiendienste wissen wann und wo ich meine Unterwäsche kaufe ist da noch das kleinste Übel.

Warum ich wenig allzu Privates blogge auch, dank Google ist man einfach transparent, zumindest so transparent wie man sich macht.

Warum ich mich bei StudiVZ nicht anmelde, konnte man in den vergangenen Monaten ja auch in den Medien verfolgen, die Profile alle Nutzer sind von Data-Miner wohl längst ausgelesen.

Bin ich deshalb Paranoid? Nein – aber der Schutz meiner Daten ist mir wichtig und ich möchte zumindest noch in dem Rahmen, in dem ich das selbst beeinflussen kann, mich nicht durchleuchtbar machen.

Und damit zu Betty. Die Betty TV AG kommt zusammen mit der ProSieben-Sat.1 Gruppe in diesen Tagen mit einer Fernsehmarktforschungs-Revolution auf den Markt. Eine Interaktive Fernbedienung, die das Shoppen beim Fernsehgucken möglich machen soll, zudem sind interaktive Dienste wie Gewinnspiele und Votings direkt über die Fernbedienung möglich. Der Rückkanal ist also endlich angekommen. Und natürlich werden mal wieder Daten gesammelt: Wer “Sofameilen” sammelt, kann Prämien abgreifen. Die gesammelten Daten werden jede Nacht an Betty übermittelt wie SpOn schreibt.

Was damit alles möglich wird, deutet ProSiebenSat.1-Vermarkter Sevenonemedia in einer Pressemitteilung aus dem vergangenen Jahr an:

  • Durch die direkte Schnittstelle zum Konsumenten kann Betty zudem als Direktmarketing-Kanal genutzt werden.
  • Sämtliche Aktionen auf Betty werden thematisch an die entsprechenden TV-Umfelder angepasst und von einem 20-köpfigen Redaktionsteam gemeinsam mit den beteiligten TV-Sendern erstellt. Das gilt sowohl für programmbezogene als auch für werbliche Anwendungen.
  • Via Betty können Werbungtreibende ihre Zielgruppen zielgenau ansteuern.
  • Die Fernbedienung Betty kann als Dialoginstrument einen hohen Beitrag zur Zuschauerbindung leisten und eröffnet uns zugleich Potenziale für zusätzliche Erlösquellen.

Rena Tangens vom Datenschutz-Verein FoeBud, der jährlich die Big Brother Awards verleiht, sagte SpOn: “Damit liefern Menschen, die da mitmachen, ihren Gehirninhalt – und große Teile ihres Geldbeutels – einer kommerziellen Senderkette aus”.

Achja – an 9Live. Die ProSiebenSat.1-Tochter wickelt ja seit Jahresbeginn die Interaktiven Dienste für die Sendergruppe ab.

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2 Kommentare

  1. Christian sagt:

    Deshalb hab ich mich entschieden, wieder anonymer ins Internet zu schreiben. Jetzt ist die Recherche wesentlich aufwendiger, um mein Xing und/oder StudiVZ Profil herauszubekommen.

    Zu Betty: Ich glaube fest an die Interaktivität des Fernsehens. Nicht heute, auch nicht morgen. Aber irgendwann. UK ist da ein großes Vorbild.
    Natürlich sehe ich die vielen Nachteile, was die missbräuchliche Verwendung von Daten angeht – aber ich sehe auch die enormen Vorteile. Endlich muss ich mir keine dämliche Hundefutterwerbung mehr anschauen oder Spots für OBs, Binden, Windeln, Kik oder Fe**e*o. Das geht dann natürlich auf Kosten meiner Anonymität.

    Wie da eine vernünftige Lösung aussieht weiß ich allerdings auch nicht.

    Aber so neu ist das doch nicht, oder? Kann nicht Premiere schon seit einiger Zeit das Sehverhalten seiner Abonennten analysieren?

    Interessant wird das ganze doch übrigens erst, wenn man die Daten mit anderen Datenbanken matchen kann. Wieviele Videos wurden bei Maxdome ausgeliehen, wie oft wird myvideo genutzt, welche TV -Sendungen werden gesehen, gibt es ein Lokalisten Profil und und und.
    Aufgrund des strengen Datenschutzes in D wird es sowas aber wohl (Gott sei Dank?!) die nächsten Jahre erstmal nicht geben.

  2. Andi sagt:

    Der strenge deutsche Datenschutz hachja. Ich glaube nicht an ihn. Siehe Maut-Fahndung, Kreditkarten-Rasterfahndung, Journalistenbespitzelungen oder ganz aktuell bundeseigenen Trojanern. Dazu noch Datenschutzbeauftragte die den Innenministerien unterstehen (was reichlich lächerlich ist, wenn der Staat selbst zum Datensammler wird) und Konzerne die schon heute aus unserem Daten-Striptease Profit schlagen.

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