Zensur bei der ARD – Staatsanwaltschaft ermittelt trotzdem

Die Dopinglawine holt den Radsport ein, eingeleitet durch das Geständnis des Ex-Radprofis Bert Dietz am Montag bei der ARD-Sendung Beckmann.

In besagter Sendung wurden aber offenbar 32 Sekunden des Gesprächs zensiert und mit einem Piepton überdeckt, weil Dietz darin angeblich Ex-Team Telekom Chef Walter Godefroot schwer belastet. So soll Godefroot die Dopingmittel beim Team Telekom beschafft haben. Findige Blogger haben den Piepston aus dem Interview gefiltert:

Dietz: Ham gesagt “du pass auf, Walter braucht sein Geld”
[Dritte Stimme im Hintergrund]: Das wird zu heiß […](?)
Beckmann: Wer braucht sein Geld?
Dietz: Walter.
Beckmann Walter Godefroot, der Teamleiter vom Team Telekom hat also das Geld eingetrieben, hab ich das richtig wiedergegeben?
Dietz: Eingetrieben habs die Pfleger. Die haben halt gesagt, daß Walter das vorher gezahlt hat.
Beckmann Also hat er das ausgeliehen vorher, Walter Godefroot, der Teamleiter, das Geld für die Epo-Ampullen. Was hat das für ein Kostenwert gehabt? Eine Ampulle mit 1000 oder 2000 Einheiten kostet wieviel?
Dietz: Um die 50 Euro.

Walter Godefroot wies die Anschuldigung in Interviews zurück, berichtet die SZ:

Er habe “niemals Fahrer dazu gebracht, unerlaubte Mittel zu nehmen“ und könne „20 Leute nennen, die bezeugen, dass ich niemals unerlaubte Medizin empfohlen habe.”

Der NDR bestätigte dem Blogger die Zensur in der Beckmann Sendung:

Der Pieps-Ton ist in der Tat keine technische Panne gewesen, sondern vom Sender aus juristischen Gründen in Absprache mit allen Beteiligten nachträglich “draufgelegt” worden.

Mag sein, dass die Aussagen juristische Konsequenzen haben. Aber als Anstalt mit einem Programmauftrag und mit dem Anspruch die Anti-Doping-Berichterstattung zu verstärken muss sowas auf den Tisch gebracht werden. Da zitiere ich gerne aus einer WDR-Pressemitteilung:

Wer sich nicht entschieden gegen den Einsatz unerlaubter medizi­nischer Mittel zur Leistungssteigerung wendet, unterstützt indirekt schwere Folgeschäden bis hin zum frühen Tod der betroffenen Sportler.


Update Freitag: Bei der Staatsanwaltschaft Bonn wird der Gesamtkomplex verfolgt, so die Pressestelle.

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