Interview mit dem Macher des heddesheimblog Hardy Prothmann
Mit einem Lokalblog für die 11.500 Seelen Gemeinde Heddesheim in Baden-Württemberg sorgt der Journalist Hardy Prothmann in der Medienbranche für Furore. Von der Zukunft des Lokaljournalismus ist häufig die Rede. Dabei kommt Prothmann eigentlich nur klassischen journalistischen Tugenden nach. Er fragt nach – auch kritisch – und schreibt auf. Ein Interview über die Zukunft des Lokaljournalismus, Qualitätssicherung und Interessenskonflikte .
Herr Prothmann, macht Ihnen der mediale Rummel um das heddesheimblog manchmal “Angst”?
Wieso das denn? Die Aufmerksamkeit ist sehr hilfreich und spornt an.
Dann anders gefragt: war ein professionelles Lokal-Blog in Deutschland längst überfällig?
Es gibt schon ein paar gute Blogs – aber bislang gab es zu wenig Aufmerksamkeit. Wenn das heddesheimblog dazu beigetragen hat, auch andere journalistische Blogs zu promoten, freut mich das. Ebenso, wenn die ein oder andere Printredaktion aufwacht, sich anstrengt und die Bratwürste aus der Zeitung heraus und als Stärkung auf den Grill legt und wieder echten Journalismus in die Zeitung bringt. Christian Lindner ist beispielsweise ein cooler Typ. Der Chefredakteur der Rhein-Zeitung hat mich Anfang März zum “battle” mit seinen Lokalchefs eingeladen: heddesheimblog vs. Bratwurstjournalismus. Das ist natürlich lustig gemeint und trotzdem ernst. Lindner stellt sich offensichtlich immer wieder die Qualitätsfrage. So sollten Chefredakteure denken und handeln. Qualität muss ständig überprüft werden.
Können Sie und Ihre Mitarbeiter inzwischen vom Blog leben?
Noch nicht, aber bald. Insgesamt arbeiten fünf Leute an dem Projekt mit.
Welchen Umsatz haben sie 2009 mit dem Blog erzielt?
Sehr viel mehr als alle Zahlen, die ich von anderen Blogs kenne. Zuwenig, um davon zu leben. Soviel, dass ich vom Erfolg meines Geschäftsmodells überzeugt bin.
Die Arbeit des Heddesheimer Gemeinderats ist ja häufig Berichterstattungsgegenstand in Ihrem Blog. Gleichzeitig sind sie Mitglied dieses Gremiums. Sehen sie dort keinen Interessenkonflikt, wenn sie als Gemeinderat über die Arbeit des Gemeinderats berichten und diese kommentieren?
Die politischen Parteien und der Bürgermeister schreiben jede Woche ihre Texte im Mitteilungsblatt. Ein Medium, das mir als freiem Gemeinderat verwehrt bleibt – dort dürfen nur Parteien und Fraktionen schreiben. Bürgermeister und Lokalpolitiker haben zudem einen exklusiven Zugang zum Mannheimer Morgen, der sehr unkritisch deren Botschaften transportiert. Beide Blätter sind noch die Grundlage eines großen Teils der öffentlichen Meinung hier im Ort – so wie in vielen anderen Gemeinden und Städten auch. Ich übe eine ehrenamtliche Tätigkeit und ein freies Mandat als Gemeinderat aus. Berichte im heddesheimblog gibt es nur aus öffentlichen Sitzungen. Jeder Bürger kann die Verhandlungen im Gemeinderat und die spätere Berichterstattung vergleichen. Von den Sitzungen berichtet mittlerweile der freie Mitarbeiter Horst Pölitz. “Politisch” trenne ich meine Texte als “Gläserner Gemeinderat” von den journalistischen Texten. Wenn meine Person in Berichten zur Lokalpolitik auftaucht, wird immer darauf hingewiesen, dass ich für das heddesheimblog verantwortlich bin. Mehr Transparenz geht nicht.
Das heddesheimblog ist aus ihrer Tätigkeit im Gemeinderat und der Ansiedlung eines neues Unternehmens (Pfennig) im Ort heraus enstanden. Ziehen sie einen Rückzug aus der Politik in Betracht, um einem möglichen Interessenskonflikt zu entgehen?
Das heddesheimblog ist sechs Wochen vor der Wahl entstanden. Ich habe vor und nach der Wahl darüber nachgedacht und bin zum Ergebnis gekommen, dass ich persönlich integer genug bin, meine Funktionen sauber zu trennen. Die Bürger haben mich gewählt und dieses Vertrauen werde ich nicht enttäuschen. Teilweise wurde mir unterstellt, ich hätte das Blog nur gemacht, um Gemeinderat zu werden. Das ist mit Verlaub, einfach nur Blödsinn. Ich bekomme 90 Euro Entschädigung im Monat für einen großen Arbeitsaufwand, muss mich kritisieren lassen und habe weder persönlich noch beruflich einen Vorteil – eher das Gegenteil. Würde ich den Gemeinderatsposten aufgeben, wäre ich den vermeintlichen “Konflikt” los. Meine Arbeit würde sich dadurch aber nicht verändern.
Sie haben den Begriff “Bratwurstjournalismus” für die seelenlose, immer gleiche Berichterstattung von (Lokal)zeitungen geschaffen. Wie sichern Sie bei sich im Blog die Qualität?
Gucken Sie aufs heddesheimblog. Es wird aufwändig recherchiert, Informationen werden nie einfach übernommen, sondern geprüft. Das ist klassisches journalistisches Handwerk. Immer wieder greife ich auf ein Netzwerk aus Kollegen zurück, die Texte gegenlesen, deren Rat ich suche, die mir Informationen geben und Kontakte vermitteln. Außerdem achten wir sorgfältig auf die Sprache und vermeiden Floskeln. Die wichtigste Voraussetzung für eine gute Qualität ist die eigene Haltung. Wir nehmen unsere Leser ernst und lieben unseren Job. Wir gehen Hinweisen nach, wir arbeiten viel vor Ort und nicht vom Schreibtisch aus. Wir prüfen vermeintliche Fakten und veröffentlichen die Geschichten, die wir recherchiert haben und belegen können und nicht die, die jemand anderes gerne über uns transportieren würde.
Insbesondere der bisherige lokale Platzhirsch vor Ort, der Mannheimer Morgen, ist bei Ihnen im Blog immer wieder Ziel von Kritik. Sicherlich häufig auch zu Recht, ist aber die wiederholte Bloßstellung einer Redakteurin im Blog angemessen?
Journalisten sind Teil der Öffentlichkeit und müssen damit rechnen, kritisch betrachtet zu werden. Das wäre ja noch schöner, wenn wir machen könnten, was wir wollten, ohne dass sich jemand kritisch damit auseinandersetzt. Die Kollegin ist offensichtlich mit der Aufgabe überfordert, ebenso wie ihre Redaktionsleitung. Wer eine 100-Millionen-Euro-Investition nur bejubelt und keine einzige kritische Frage stellt, der verfehlt als Journalist und Medium seine Aufgabe. Das thematisiere ich. Nichts weiter. Die schwachbrüstige Berichterstattung im MM hat mich und viele Menschen hier enttäuscht. Noch enttäuschender ist, dass jede Provokation an der Überheblichkeit des MM abprallt. Eigentlich hatte ich gehofft, dass die sich mal ein wenig bewegen und meiner Arbeit mehr Konkurrenz machen – das wäre für mich ein zusätzlicher Ansporn. Aber diese Hoffnung habe ich beerdigt. Die Bratwurstköppe haben dort schon längst die Macht übernommen.
Herr Prothmann, vielen Dank für das Interview.


Hallo,
bitte fragen Sie bei Herrn Prothmann nach, ob Herr Merz mit seinen großen Zweifeln über die tatsächliche Verbreitung des blogs recht hat. (Eintrag vom 27.11.09: http://markus-merz.posterous.com/tag/hardyprothmann).
Wenn ja, publiziert Hr. Prothmann seit Monaten falsche Zahlen und führt Werbetreibende und die gehypte Internetöffentlichkeit in die Irre.
Hr. Prothmann äußert sich in den verschiedenen blogs in der Regel sehr ausführlich, wenn Kritik an ihm geäußert wird. Zu diesem Thema ist er ungewöhnlich schweigsam. Wo bleibt die sonst gerne geforderte Transparenz?
Grüße
Guten Tag!
Was unsere Zahlen angeht: Wir benennen transparent die Quelle unserer statistischen Berichte und belegen die kommunizierten Zahlen mit Screenshots der statistischen Auswertung unseres Providers 1&1.
Ob Ihnen oder anderen das passt oder nicht, ist uns herzlich egal.
Was uns nicht egal ist:
Sie formulieren hier einen Betrugsvorwurf und sollten sich im Klaren darüber sein, dass, auch wenn Sie über ein Pseudonym kommentieren, ihre Identität festgestellt werden kann.
Da Sie sich auch an anderer Stelle bereits geschäftsschädigend geäußert haben, sollten Sie sich den Inhalt künftiger Kommentare sehr genau überlegen.
Hardy Prothmann
Richtig ist, dass HP Statistiken von 1&1 veröffentlicht. Richtig ist, dass HP Google AdSense und andere Werbung schaltet. Richtig ist, dass HP Google Analytics einsetzt.
Richtig ist, dass ich die Zahlen der anderen Statistiken nicht finde.
Richtig ist, dass die Zahlen von 1&1 in den Mediendaten und in der Anzeigenpreisliste (auf S.7 von 8 ) veröffentlicht werden. Richtig ist, dass am 9.2.2010 die anderen Zahlen dort nicht erwähnt werden.
Kann es sein dass die ausschließliche Verwendung der 1&1 Statistiken irreführende Werbung für das eigene Produkt ist? Zusatz: … wenn auch andere Daten vorhanden sind? Die Frage müsste ein Jurist beantworten, was ich nicht bin.
Wieso wird eine ‘acht’ zu einem Smiley? Das finde ich inhaltlich irreführend :(
Kommentar: Hängt mit der Blogsoftware zusammen, wurde händisch korrigiert