Reputationsmanagement bei Twitter – Ex*-NPD-Funktionär narrt Follower

3 Februar 2010 von Andi Kommentieren »

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Screenshot: Twitter.com

Mathias Rochow ist für Kenner der rechtsextremen Szene kein Unbekannter. Als ehemaliger* Funktionär der NPD in Sachsen und langjähriger Bundesgeschäftsführer der NPD-Jugendorganisation JN gilt galt er zu den führenden Kadern der Rechtsextremen. Auch Wikipedia widmet Rochow einen Eintrag. Und Rochow versteht sich offenbar auf clevere Öffentlichkeitsarbeit.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter erreicht Rochow hunderte Menschen, selbst Medien und andere Parteien gehören zu seinen Lesern. Der Weg der Rechtsextremen NPD in die Mitte der Gesellschaft wird auf allen Kanälen betrieben und das sehr erfolgreich, wie das Beispiel Rochow zeigt. Oft sendet Rochow unverfängliches über seinen Account, meist Links zu Artikeln lokaler Medien. Dazwischen findet sich dann aber hin und wieder, ein Link zu einer Pressemitteilung der NPD. So vermischt sich der Strom an unverfänglichen lokalen Links mit den Inhalten und Positionen der NPD zu diesen Themen.

Sogar die CDU folgt dem Ex*-NPD-Mann

Der Twitter-Account @Mathias_Rochow hat über 200 Follower, darunter viele, die einen direkten Bezug zur rechten Szene und zur NPD haben. Ein kurze Google-Recherche oder ein kurzer Blick in die Follower-Liste würde genügen, um zu erkennen, wen man da vor sich hat. Dennoch hat Rochow eine beachtliche Anhängerschar verschafft. Selbst die Online-Redaktion der CDU (@cdu_news) gehört zu den Abonnenten des ehemaligen* NPD-Politikers, wie auch zahlreiche Medien: der öffentlich-rechtliche Hörfunksender JUMP (@jump_onair), der private Sender RSA (@RadioRSA), die Sächsische Zeitung (@szkultur), der Nachrichtensender N-TV (@ntvde) und sogar ProSieben (@Prosieben).

Kopflose Twitteraccounts & Desinteresse

Dabei werden zwei Probleme offenkundig: erstens gibt es da die „kopflosen“ Twitteraccounts von Jump oder N-TV, die einfach jedem folgen, der ihnen followt. Eine aktive Kommunikation mit den Abonnenten findet nicht statt. Stattdessen wird bei JUMP Twitter als weiterer Marketingkanal genutzt, der mit reichlich Eigenwerbung bestückt wird.

Das zweite Problem trifft die fehlende Bereitschaft, sich intensiv mit dem Medium und seinen Nutzern auseinander zu setzen. Es mag auch einfach nur Schlampigkeit oder Unwissenheit sein. Zumindest Journalisten sollte das aber nicht passieren. Und für die CDU ist es einfach nur peinlich.

*Ergänzung 14.02.:

Mathias Rochow ist nach eigenen Angaben (siehe Kommentare) seit September 2009 kein NPD-Mitglied mehr, bestätigt aber, Führungsmitglied der NPD gewesen zu sein.

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5 Kommentare

  1. Daniel sagt:

    Man kann es auch ein klein wenig übertreiben…

    “Mathias Rochow ist für Kenner der rechtsextremen Szene kein Unbekannter” –> eben für “Kenner”. Sollen die User nun jeden Follower bzw. den User den man folgen möchte nun vorher in allen Suchmaschinen googeln, ob sich hinter dem User sich nicht vielleicht ein Rechter, Linker oder Frauenhasser versteckt? Das wäre nun wirklich übertrieben. Wenn man auf Tweets trifft welche nicht mit seinen eigenen Grundsätzen konform gehen, kann man die “Folgschaft” ja immer noch aufheben.

    Das Firmen und Parteien Twitter nun als Marketing Instrument ansehen ist nun auch schon lange bekannt. Aber auch da ist es nicht machbar jeden Einzelnen vorher zu überprüfen…

  2. Andi sagt:

    Das Problem ist in meinen Augen insbesondere, wie hier vermeintlich harmlose Links mit rechtem Gedankengut gemixt werden.

    Klar wird kein Mensch jeden Follower Googlen. Aber dieses blinde Follower-Sammeln führt dann eben zu solchen absurden Situationen, dass die CDU einem NPD-Mann folgt.

  3. denise sagt:

    du hattest dazu schon mal was getwittert und mein erster gedanke war auch da schon: followen ist nicht faven. deine argumente sind sicher nicht falsch (ich bin mir zb. sicher, dass oft genug einfach nur zurück-gefollowt wird), aber du übersiehst, dass gerade journalisten und medien auch aus rechercheinteresse jemandem folgen können. ich habe auch eine menge neonaziblogs per rss abonniert, nur um informiert zu sein.

    das problem ist mir natürlich auch klar: tatsächlich ist für viele bei twitter dieses hin-und-her-gefollowe entweder als wir-sind-homies-attitüde oder mittel zum schwanzvergleich. da fällt halt der cdu die verbindung zum npd-mann auf die füße. leider. dabei nutzen gerade die twitter sicher vor allem als werkzeug und nicht zum rumlutschen. ums mal für die gescholtenen positiv auszulegen.

  4. Mathias Rochow sagt:

    Hallo Leute

    Es ist schön. daß man sich über meine Person Gedanken macht und es ist auch richtig, daß ich Führungsmitglied der NPD gewesen bin.
    Seit September 2009 bin ich aus der NPD ausgetreten und ich denke, daß ein jeder Mensch seinen eigenen Weg gehen sollte, auch wenn dieser mit Umwegen behaftet gewesen ist.

    Ich habe bei Twitter nicht vor für irgendeine Weise für politische Meinungen zu werben. Mir geht es um den reinen Informationsaustausch!

    Sie müssen in ihrem Artikel auch hineinschreiben, daß ich ebenfalls auch Pressemeldungen der SPD, FDP, CDU, Grüne und Linke zum Thema Landtagssitzungen oder Stadtratssitzungen veröffentlicht habe. Da nun einmal auch die NPD im Landtag sitz, habe ich ebenfalls deren Meinung Selbstverständlich auch mit erwähnt.

    Ich sehe in diesem Artikel einen Angriff auf meine Person und ich bitte, wenn das nächste mal irgendwelche Mutmaßungen über meine Person in irgendeiner Weise im Netz veröffentlicht werden, vielleicht ersteinmal meine Stellungnahme abzuwarten. Ich bin gerne bereit, über verschiedene Dinge zu diskutieren und respektiere verschiedene Meinungen, dieses erwarte ich aber auch von anderen Leuten

    Die besten Grüße aus Dresden!

  5. Werner Klawun sagt:

    Hiermit möchte ich mich mit Mathias Rochow solidarisieren. Die unqualifizierten Angriffe gegen alle, die sich für ihre Heimat Deutschland einsetzen, sind unerträglich und führen dazu, dass jetzt viel gute Köpfe unseres Landes nicht mehr in Deutschland arbeiten und leben wollen, sondern dort, wo ihr Einsatz für die Allgemeinheit auch respektiert und anerkannt wird. Die NPD beharrt leider auf ihrer kurzsichtigen Position der “ausländerkritischen Haltung”. In Wahrheit wäre es gut für Deutschland, wenn es weiterhin Anziehungspunkt für Spezialisten und innovative Unternehmer wäre. Aber man macht hier dieselben Fehler, wie in den USA, dass man sich einbildet, dass alle nur wegen der Sozialleistungen nach Deutschland kommen.Die meisten kommen mit dem Wunsch her, in der gut organisierten deutschen Wirtschaft ehrlich zu arbeiten und gut verdientes Geld nach Hause zu schicken, damit ihre Familien überleben können. Merkwürdig ist nur, dass meine albanische Frau von linken “Antifaschisten” als “Nazi” beschimpft wurde, weil sie ihre Heimat liebt und dies auch öffentlich geäußert hatte.

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