Der perfekte WM-Song

Waka Waka, Schlandrut, Wavin‘ Flag, Gimme Hope Joachim… die Liste der Songs zur WM 2010 ist zum Auftakt des Turniers in Südafrika inzwischen lang. Erstaunlich dabei: Die kommerziellen – generalstabsmäßig auf den Markt geworfenen – WM-Songs der Musikindustrie und der FIFA von Shakira und K’naan sind bei der Netzgemeinde genauso populär, wie vermeintliche Underdogs.

Vier WM-Songs im Vergleich:

Der offizielle WM-Song: Shakira – Waka Waka

Shakira – Waka Waka auf YouTube

Die internationale Version des Videos im offiziellen Shakira-Youtube-Kanal kommt auf knapp 5 Millionen Klicks, das in Deutschland Verfügbare Video hat bisher knapp 360.000 Klicks erreicht. Ein für den Massengeschmack perfekt produzierter Song, der uns die nächsten Wochen in TV-Zusammenschnitten und im Radio intensiv begleiten wird. Erstaunlich: die Bildqualität des in Deutschland verfügbaren Videos ist katastrophal.

Der Song zur Coca-Cola Kampagne: K’naan – Wavin‘ Flag

K’naan – Wavin’Flag auf YouTube

Coca-Cola liefert mit Wavin‘ Flag von K’naan die zweite absolute Mainstream-WM-Hymne. Die für Deutschland bereitgestellte Version kommt dabei zum WM-Start auf knapp 700.000 Klicks, es finden sich aber auch andere Versionen mit weit über 4 Millionen Klicks. Die Nutzer werden von dem Getränkehersteller aufgefordert, eigene Jubelvideos hochzuladen. Die Web 2.0 Marketingmaschine läuft bei Coca-Cola zur WM 2010 also auf Hochtouren. Der Song dazu hat längst Hitstatus erreicht. Der Konzern schafft es immer wieder emotional beladene Themen, Ereignisse und Musiktitel mit seiner Marke in Verbindung zu bringen.

Die Underdogs aus dem Netz

Die Underdog-Songs aus dem Netz zeigen: Humor ist trumph und beschert Klicks; Twitter und Facebook sorgen für eine explosionsartige Verbreitung.

Der etwas andere WM-Song: Basta – Gimme Hope Joachim

Basta – Gimme Hope Joachim auf YouTube

Basta liefert mit Gimme Hope Joachim einen humorvollen WM-Titel ab, der es aber kaum in die Radiorotationen schaffen wird. Damit bleibt der Song wohl der Netzgemeinde und A-Capella-Fans vorbehalten. Beeindruckend ist dennoch die Resonanz bei Youtube. Seit dem 1. Mai kam der Song auf über 670.000 Klicks. A-Capella-Pop hat in Deutschland zwar nur eine relativ kleine, aber umso eingefleischtere Fangemeinde. Ob wise guys, Viva Voce (auch mit eigenem WM-Song) oder eben Basta. Der Pop ohne Instrumente hat seine Nische im deutschen Musikmarkt gefunden!

EMI und die bösen Buben: Uwu Lena – Schland o Schland (Schlandrut)

Uwu Lena – Schland o Schland wegen rechtlicher Probleme bei Youtube gelöscht

Schlandrut in Der perfekte WM-Song

(Screenshot: YouTube) Uwu Lena Video wegen rechtlier Probleme gelöscht

Die Persiflage auf Lenas „Satelitte“ wird im Web 2.0 zum absoluten Durchstarter – bis die Löschkeule folgte. Laut Rhein Zeitung ist das Video zwei Tage vor dem WM-Start von Studenten in einem Park in Münster gedreht worden. Zunächst kommt der Titel auf wenige hundert Klicks, dann folgt ein Höhenflug bei Twitter und Facebook, am Freitagmittag zum Beginn der WM haben 40.000 Leute den Song angeklickt – bis er bei Youtube gelöscht wird. Rechtliche Probleme geben die Macher auf ihrer Homepage als Grund an. Man sei aber mit den Rechteinhabern im Gespräch und will am Montag Neuigkeiten verkünden. Möglicherweise nimmt sich ja TV Total den Münsteraner Studenten an. Es wäre gut vorstellbar, dass Stefan Raab das Hitpotential von Schlandrut erkennt und die Nummer zur Chefsache macht.

Fazit: Web 2.0 & Youtube schaffen Anti-Mainstream-Hits

Was die Popularität im Deutschen Netz angeht, brauchen sich „Quatsch-Songs“ wie „Schland o Schland“ nicht hinter den offiziellen WM Songs von Shakira und Co. verstecken. Ganz im Gegenteil: in Sozialen Netzwerken werden diese Titel explosionsartig verbreitet. Durch rechtliche Schritte werden entsprechende Effekte sogar noch verstärkt. Zudem erreichen auch Nischenprodukte wie der humorvolle A-Capella Song von Basta ein breites Publikum im Netz. Damit werden die Underdog-WM-Songs zu den Mainstream-Hits im Netz und hängen Shakira teils sogar ab. Die klassischen Radiorotationen und TV-Trailer werden dagegen weiterhin ausschließich von den kommerziellen Titeln bestimmt – noch!

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