Flughafen Schließung? „Sommerlochtheater!“

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Flughafen-Chef Markus Kopp

Der Dresdner Flughafen war zuletzt wahrlich nicht von positiven Schlagzeilen gesegnet – „Leerport“ titelte die Bildzeitung im Dresdner Lokalteil aufgrund von leerstehenden Gewerbeflächen. Dazu kam ein Einbruch der Passagierzahlen 2013 (- 5%) und im ersten Halbjahr 2014 (-5,4%). Stadttouristiker legten nach (Bild), selbst Hochschul- und Wirtschaftsvertreter holte zu einem Rundumschlag aus (offener Brief in der SZ). Schlussendlich sah sich selbst Ministerpräsident Tillich im Wahlkampfendspurt zu einem klaren Bekenntnis zum Dresdner Flughafen genötigt, auch im Koalitionsvertrag wurde die Bestandssicherung beider Standorte (Leipzig & Dresden) verankert.

Die beiden sächsischen Flughäfen Leipzig‐Halle und Dresden sind unverzichtbarer Bestandteil des Personenverkehrs und Warenaustauschs. Beim weltweiten Frachtflugverkehr soll der Flughafen Leipzig‐Halle seine führende Position unter Berücksichtigung der Belange des Gesundheitsschutzes ausbauen.

Die Schlagzeilen um eine drohenden Schließung des Dresdner Airports sind nicht neu. Der Leipziger EU-Poltiker Hermann Winkler (CDU) forderte bereits 2011 die Schließung des Dresdner Airports. Diese Sau wurde auch 2014 gerne wieder durchs mediale Dorf getrieben.

Flughafen-Geschäftsführer Markus Kopp sprach folgerichtig vor den Vertretern des Dresdner Presseclubs von einem „Sommerlochtheater“ (wie übrigens bereits auch 2011 schon). Bei einem ausführlichen Diskussionsabend des Presseclubs erläuterten die beiden Flughafen-Geschäftsführer Markus Kopp und Bettina Ganghofer die Entwicklung und Strategie der Mitteldeutschen Flughafenholding und erklärten Zusammenhänge, die zu schwankenden Nutzerzahlen führen.

Die Kernpunkte:

1.) 93% der Gewerbeflächen am Airport in Klotzsche sind ausgelastet – der Flughafen erzielt 40% seines Umsatzes über dieses Geschäft, nur 60% gehen auf den Flugbetrieb zurück. In größeren Flughäfen wie Frankfurt oder München sind allein die Shoppingzeilen für üppige Gewinne verantwortlich, nicht das Fluggeschäft, erläuterten die Flughafen-Geschäftsführer Kopp und Ganghofer.

2.) Die Schließungsdebatten sind „Sommerlochtheater“ und Hirngespinste. Die Investition in beide Airports habe sich bereits jetzt gerechnet, angesichts der wirtschaftlichen Ansiedlung von Unternehmen wie BMW, Porsche und DHL in Leipzig oder der Chipindustrie in Dresden. Die würde es ohne die Flughäfen nicht geben, so Kopp. Sachsen könne sich zudem beide Airports leisten, da im Operativen Geschäft schwarze Zahlen geschrieben würden (Durch Abschreibungen lag der Verlust 2012 allerdings in Leipzig bei 66 Millionen Euro, in Dresden bei 9 Millionen.)

3.) „Wir sind nur die Plattform“, sagt Flughafen-Geschäftsführer Markus Kopp. Es sei Aufgabe der Airlines, Flüge zu füllen. Allerdings würden Verbindungen, die lautstark in Dresden gefordert wurden (wie London oder Hamburg) verhalten angenommen. Derzeit bleibt das Passagieraufkommen wohl deutlich hinter den Erwartungen zurück. Erst ab einer Auslastung von 75% rentieren sich solche Verbindungen, so Kopp.

4.) Für Dresden sind die vielen Drehkreuz-Anbindungen (nach Frankfurt, München, Düsseldorf) das „Non-Plus-Ultra“. Zweites „Non-Plus-Ultra“ seien laut Kopp Firkmenkunden. In diesem Bereich hapert es etwas, sagt der Flughafen-Chef.

5.) Zwei Drittel des Passagieraufkommens in Dresden entfallen auf Linienflüge, nur ein Drittel auf Touristen. In Leipzig ist es genau andersherum, zwei Drittel machen dort die Urlaubsreisende aus. Der Leipziger Airport sei per Autobahn und Zug besser erreichbar und bediene das größere Einzugsgebiet, erläuterte Kopp. Um das touristische Geschäft in Dresden anzukurbeln, will man nun an Tschechische Reisebüros herantreten: Kopp beziffert das Potential auf rund 100.000 zusätzliche Fluggäste im Jahr. Zudem sei man für den Sommerflugplan 2015 (gültig ab März) mit Condor, TUI und Thomas Cock im Gespräch, um das Angebot zu erweitern.

Die Mitteldeutsche Flughafen AG betreibt die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden international. Der Freistaat Sachsen hält 77,29%, das Land Sachsen-Anhalt 18,54%. Die StädteLeipzig 2,1% und Dresden 1,87%. Nur beim Dresdner Airport sind zudem noch die Landkreise Meißen (0,68%) und Bautzen (0,58%) beteiligt. Beide Flughäfen sind damit aber zu 100% in Besitz von Ländern, Kreisen und Kommunen.

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