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	<title>reDDakteur &#187; Interview</title>
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	<description>Neues aus der Landeshauptstadt</description>
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		<title>&#8220;Die Bratwurstk&#246;ppe haben l&#228;ngst die Macht &#252;bernommen&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 18:02:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[heddesheimblog]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit einem Lokalblog f&#252;r die 11.500 Seelen Gemeinde Heddesheim in Baden-W&#252;rttemberg sorgt der Journalist Hardy Prothmann in der Medienbranche f&#252;r Furore. Von der Zukunft des Lokaljournalismus ist h&#228;ufig die Rede. Dabei kommt Prothmann eigentlich nur klassischen journalistischen Tugenden nach. Er fragt nach - auch kritisch - und schreibt auf.]]></description>
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<div class="tweetmeme_button" style="float: right; margin-left: 10px;"><a href="http://api.tweetmeme.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.andi-szabo.de%2Fblog%2F2010%2F02%2Fdie-bratwurstkoeppe-haben-laengst-die-macht-uebernommen%2F"><img src="http://api.tweetmeme.com/imagebutton.gif?url=http%3A%2F%2Fwww.andi-szabo.de%2Fblog%2F2010%2F02%2Fdie-bratwurstkoeppe-haben-laengst-die-macht-uebernommen%2F" height="61" width="51" alt=" in " /></a></div><p><strong>Interview mit dem Macher des heddesheimblog Hardy Prothmann</strong></p>
<p><div id="attachment_336" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.andi-szabo.de/blog/wp-content/uploads/2010/02/Prothmann2.jpg"><img src="http://www.andi-szabo.de/blog/wp-content/uploads/2010/02/Prothmann2-150x150.jpg" alt="Prothmann2-150x150 in " width="150" height="150" class="size-thumbnail wp-image-336" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: sap</p></div>Mit einem <a href="http://www.heddesheimblog.de">Lokalblog</a> f&#252;r die 11.500 Seelen Gemeinde Heddesheim in Baden-W&#252;rttemberg sorgt der Journalist Hardy Prothmann <a href="http://www.freitag.de/alltag/1004-netzgeschichten-peter-sloterdijk-heddesheimblog-hardy-prothmann-twitter-springer-waz-urs-gossweiler">in</a> <a href="http://www.woerterladen.de/journalismus/lokaljournalismus-heddesheimblog.html">der</a> <a href="http://meedia.de/nc/details-topstory/article/ich-bin-die-zukunft-des-lokaljournalismus_100024672.html">Medienbranche</a> <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1231/medien/0034/index.html">f&#252;r Furore</a>. Von der Zukunft des Lokaljournalismus ist h&#228;ufig die Rede. Dabei kommt Prothmann eigentlich nur klassischen journalistischen Tugenden nach. Er fragt nach &#8211; auch kritisch &#8211; und schreibt auf. Ein Interview &#252;ber die Zukunft des Lokaljournalismus, Qualit&#228;tssicherung und Interessenskonflikte .</p>
<p><span id="more-320"></span></p>
<p><em>Herr Prothmann, macht Ihnen der mediale Rummel um das heddesheimblog manchmal &#8220;Angst&#8221;?</em></p>
<p>Wieso das denn? Die Aufmerksamkeit ist sehr hilfreich und spornt an.</p>
<p><em>Dann anders gefragt: war ein professionelles Lokal-Blog in Deutschland l&#228;ngst &#252;berf&#228;llig?</em></p>
<p>Es gibt schon ein paar gute Blogs &#8211; aber bislang gab es zu wenig Aufmerksamkeit. Wenn das heddesheimblog dazu beigetragen hat, auch andere journalistische Blogs zu promoten, freut mich das. Ebenso, wenn die ein oder andere Printredaktion aufwacht, sich anstrengt und die Bratw&#252;rste aus der Zeitung heraus und als St&#228;rkung auf den Grill legt und wieder echten Journalismus in die Zeitung bringt. Christian Lindner ist beispielsweise ein cooler Typ. Der Chefredakteur der Rhein-Zeitung hat mich Anfang M&#228;rz zum &#8220;battle&#8221; mit seinen Lokalchefs eingeladen: heddesheimblog vs. Bratwurstjournalismus. Das ist nat&#252;rlich lustig gemeint und trotzdem ernst. Lindner stellt sich offensichtlich immer wieder die Qualit&#228;tsfrage. So sollten Chefredakteure denken und handeln. Qualit&#228;t muss st&#228;ndig &#252;berpr&#252;ft werden.</p>
<p><em>K&#246;nnen Sie und Ihre Mitarbeiter inzwischen vom Blog leben?</em></p>
<p>Noch nicht, aber bald. Insgesamt arbeiten f&#252;nf Leute an dem Projekt mit.</p>
<p><em>Welchen Umsatz haben sie 2009 mit dem Blog erzielt?</em></p>
<p>Sehr viel mehr als alle Zahlen, die ich von anderen Blogs kenne. Zuwenig, um davon zu leben. Soviel, dass ich vom Erfolg meines Gesch&#228;ftsmodells &#252;berzeugt bin.</p>
<p><em>Die Arbeit des Heddesheimer Gemeinderats ist ja h&#228;ufig Berichterstattungsgegenstand in Ihrem Blog. Gleichzeitig sind sie Mitglied dieses Gremiums. Sehen sie dort keinen Interessenkonflikt, wenn sie als Gemeinderat &#252;ber die Arbeit des Gemeinderats berichten und diese kommentieren?</em></p>
<p>Die politischen Parteien und der B&#252;rgermeister schreiben jede Woche ihre Texte im Mitteilungsblatt. Ein Medium, das mir als freiem Gemeinderat verwehrt bleibt &#8211; dort d&#252;rfen nur Parteien und Fraktionen schreiben. B&#252;rgermeister und Lokalpolitiker haben zudem einen exklusiven Zugang zum Mannheimer Morgen, der sehr unkritisch deren Botschaften transportiert. Beide Bl&#228;tter sind noch die Grundlage eines gro&#223;en Teils der &#246;ffentlichen Meinung hier im Ort – so wie in vielen anderen Gemeinden und St&#228;dten auch. Ich &#252;be eine ehrenamtliche T&#228;tigkeit und ein freies Mandat als Gemeinderat aus. Berichte im heddesheimblog gibt es nur aus &#246;ffentlichen Sitzungen. Jeder B&#252;rger kann die Verhandlungen im Gemeinderat und die sp&#228;tere Berichterstattung vergleichen. Von den Sitzungen berichtet mittlerweile der freie Mitarbeiter Horst P&#246;litz. &#8220;Politisch&#8221; trenne ich meine Texte als &#8220;Gl&#228;serner Gemeinderat&#8221; von den journalistischen Texten.  Wenn meine Person in Berichten zur Lokalpolitik auftaucht, wird immer darauf hingewiesen, dass ich f&#252;r das heddesheimblog verantwortlich bin. Mehr Transparenz geht nicht.</p>
<p><em>Das heddesheimblog ist aus ihrer T&#228;tigkeit im Gemeinderat und der Ansiedlung eines neues Unternehmens (Pfennig) im Ort heraus enstanden. Ziehen sie einen R&#252;ckzug aus der Politik in Betracht, um einem m&#246;glichen Interessenskonflikt zu entgehen?</em></p>
<p>Das heddesheimblog ist sechs Wochen vor der Wahl entstanden. Ich habe vor und nach der Wahl dar&#252;ber nachgedacht und bin zum Ergebnis gekommen, dass ich pers&#246;nlich integer genug bin, meine Funktionen sauber zu trennen. Die B&#252;rger haben mich gew&#228;hlt und dieses Vertrauen werde ich nicht entt&#228;uschen. Teilweise wurde mir unterstellt, ich h&#228;tte das Blog nur gemacht, um Gemeinderat zu werden. Das ist mit Verlaub, einfach nur Bl&#246;dsinn. Ich bekomme 90 Euro Entsch&#228;digung im Monat f&#252;r einen gro&#223;en Arbeitsaufwand, muss mich kritisieren lassen und habe weder pers&#246;nlich noch beruflich einen Vorteil &#8211; eher das Gegenteil. W&#252;rde ich den Gemeinderatsposten aufgeben, w&#228;re ich den vermeintlichen &#8220;Konflikt&#8221; los. Meine Arbeit w&#252;rde sich dadurch aber nicht ver&#228;ndern.</p>
<p><em>Sie haben den Begriff &#8220;Bratwurstjournalismus&#8221; f&#252;r die seelenlose, immer gleiche Berichterstattung von (Lokal)zeitungen geschaffen. Wie sichern Sie bei sich im Blog die Qualit&#228;t?</em></p>
<p>Gucken Sie aufs heddesheimblog. Es wird aufw&#228;ndig recherchiert, Informationen werden nie einfach &#252;bernommen, sondern gepr&#252;ft. Das ist klassisches journalistisches Handwerk. Immer wieder greife ich auf ein Netzwerk aus Kollegen zur&#252;ck, die Texte gegenlesen, deren Rat ich suche, die mir Informationen geben und Kontakte vermitteln. Au&#223;erdem achten wir sorgf&#228;ltig auf die Sprache und vermeiden Floskeln. Die wichtigste Voraussetzung f&#252;r eine gute Qualit&#228;t ist die eigene Haltung. Wir nehmen unsere Leser ernst und lieben unseren Job. Wir gehen Hinweisen nach, wir arbeiten viel vor Ort und nicht vom Schreibtisch aus. Wir pr&#252;fen vermeintliche Fakten und ver&#246;ffentlichen die Geschichten, die wir recherchiert haben und belegen k&#246;nnen und nicht die, die jemand anderes gerne &#252;ber uns transportieren w&#252;rde.</p>
<p><em>Insbesondere der bisherige lokale Platzhirsch vor Ort, der Mannheimer Morgen, ist bei Ihnen im Blog immer wieder Ziel von <a href="http://heddesheimblog.de/2010/01/12/ubers-ziel-hinaus-geschossen-oder-volltreffer-warum-das-heddesheimblog-den-mm-kritisiert/">Kritik</a>. Sicherlich h&#228;ufig auch zu Recht, ist aber die <a href="http://heddesheimblog.de/2010/02/04/heute-vor-einem-jahr-wurde-die-geplante-pfenning-ansiedlung-offentlich-ohne-notausgang/">wiederholte Blo&#223;stellung</a> einer Redakteurin im Blog angemessen?</em></p>
<p>Journalisten sind Teil der &#214;ffentlichkeit und m&#252;ssen damit rechnen, kritisch betrachtet zu werden. Das w&#228;re ja noch sch&#246;ner, wenn wir machen k&#246;nnten, was wir wollten, ohne dass sich jemand kritisch damit auseinandersetzt. Die Kollegin ist offensichtlich mit der Aufgabe &#252;berfordert, ebenso wie ihre Redaktionsleitung. Wer eine 100-Millionen-Euro-Investition nur bejubelt und keine einzige kritische Frage stellt, der verfehlt als Journalist und Medium seine Aufgabe. Das thematisiere ich. Nichts weiter. Die schwachbr&#252;stige Berichterstattung im MM hat mich und viele Menschen hier entt&#228;uscht. Noch entt&#228;uschender ist, dass jede Provokation an der &#220;berheblichkeit des MM abprallt. Eigentlich hatte ich gehofft, dass die sich mal ein wenig bewegen und meiner Arbeit mehr Konkurrenz machen – das w&#228;re f&#252;r mich ein zus&#228;tzlicher Ansporn. Aber diese Hoffnung habe ich beerdigt. Die Bratwurstk&#246;ppe haben dort schon l&#228;ngst die Macht &#252;bernommen.</p>
<p><em>Herr Prothmann, vielen Dank f&#252;r das Interview.</em></p>
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