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Social Media Guidelines – jetzt auch bei der Bundeswehr! Sinn & Unsinn

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VW hat sie (PDF), die Datev und sogar die Bundeswehr: Social Media Guidelines. Da sind Hinweise, Richtlinien oder sogar Dienstvereinbarungen im Umgang mit sozialen Medien. Diese Social Media-Guidelines sind in kaum einem Unternehmen und kaum einer Institution mehr wegzudenken. In der Vergangenheit beschränkten sich solche Guidelines oftmals darauf, Verbote auszusprechen oder mit Konsequenzen zu drohen, um möglichem Ärger aus dem Weg zu gehen. Auch ich hatte dieses Thema bereits vor über 10 Jahre auf dem Tisch, auch ich erarbeitete für meinen damaligen Arbeitgeber den Rahmen für den Umgang mit dem Social Web. Dementsprechend defensiv waren aber auch meine ersten Social Media-Guidelines formuliert.

Erstmal den Status checken – Soziale Medien sind heute Standard

Heute sind viele Unternehmen ein ganzes Stück weiter, das ist erfreulich. Soziale Medien sind kaum mehr wegzudenken. Jeder nutzt WhatsApp oder andere Messenger. Facebook, Insta, Snap und Twitter sind keine Randerscheinungen für Nerds mehr. Soziale Medien sind heute Standard. Und die junge Generation kennt es gar nicht anders, als erstmal im Status-Update zu checken, was ihre Freunde so treiben. Klar – auch der aktuelle Arbeitsort ist dabei immer wieder Thema.

Corporate Influencer die Zukunft?

Modernen Unternehmen am Puls der Zeit ermuntern ihre Mitarbeiter sogar, im Sinne des Arbeitgebers auch in Social Media nach außen zu gehen.

  • Jeder ist Öffentlichkeitsarbeiter
  • Jeder ist HR-Mitarbeiter
  • Jeder trägt zur Außenwirkung seines Arbeitgebers bei

Einige gehen sogar einen Schritt weiter, bilden eigene „Corporate Influencer“ aus: Mitarbeiter, die gezielt dafür geschult werden, das organische Wachstum, die Reichweite der Unternehmenskommunikation pro aktiv zu unterstützen. Positiv möchte ich hier beispielsweise eine Einrichtung aus dem Sozialbereich am Rande Dresdens erwähnen: die Fachklinik Kleinwachau bildet aktuell 20 Mitarbeiter zu „Corporate Influencern“ aus:

Qualifizierung von 20 Mitarbeitenden zu Unternehmens-Influencern im Hinblick auf Medienkompetenz, Social Media, moderne Kommunikations- und Beteiligunsprozesse, Wissenstransfer

Eingebettet ist dieses Projekt in ein ESF-gefördertes Digitalisierungskonzept unter dem Stichwort „Trafo4“. Spannend auch der begleitende Facebook-Post!

Grund genug also, auch Ihre eingestaubten Social Media-Richtlinien, die irgendwo abgeheftet sind oder die irgendwo auf einem Laufwerk versteckt sind, zu überarbeiten. Oder wenn sie noch nicht vorliegen, jetzt zu erstellen!

Bundeswehr ermuntert Soldaten in Social Media selbst aktiv zu werden

Ein Best-Pratice-Beispiel liefert dazu aktuell die Bundeswehr. Sie hat sich sogar eine eigene Domain dafür eingerichtet: unter www.bundeswehrsocialmedia.de landen Interessenten direkt bei den neuen Social Media-Guidelines der Truppe. Neben einem modernen Erklär-Video gibt es praktische Tipps und Hinweise, die nicht verhindern oder einschränken sollen, sondern die die Lebenswirklichkeit abbilden. So heißt es dort zum Beispiel:

Wie kann ich mich selbst einbringen?

Nutzen Sie bei Posts in ihren persönlichen Profilen gerne Hashtags wie #Bundeswehr, #Bundeswehrkarriere oder #SocialMediaDivision. Sie helfen anderen engagierten Bundeswehrangehörigen, Ihre Beiträge zu finden, mit Ihnen durch Likes oder Kommentare zu interagieren und erleichtern dabei die Vernetzung. Seien Sie dabei und zeigen Sie sich und Ihren Berufsalltag, verlinken Sie andere Mitglieder.

Besonders positiv ist das begleitende Erklärvideo hervorzuheben:

Ein Screenshot des Bundeswehr-Videos zum Social Media-Einsatz bei der Truppe.
Bundeswehr-Video zum Social Media-Einsatz bei der Truppe veröffentlicht.

Für den Außenstehenden überraschend: selbst Waffensysteme dürfen gezeigt werden, die absolute Transparenz ist logischerweise aber nicht möglich:

Ist die Abbildung von und mit Waffen(-systemen) erlaubt?

Grundsätzlich können Sie Waffen und Waffensysteme von außen zeigen. Achten Sie dabei aber darauf, dass die Kennzeichen nicht zu sehen sind. Innen gibt es oftmals Geräte und Systeme, die nicht gezeigt werden dürfen. Sprechen Sie auch hier im Zweifelsfall mit Ihren Vorgesetzten und holen Sie sich vorher eine Genehmigung.

Für mich aktuell ein Best Practice-Beispiel, wie moderne Social Media-Guidlines aussehen können.

Evangelische Landeskirche reagiert nach Wirbel um Rücktritt von Landesbischof mit SM-Richtlinien

Ein anderes aktuelles Beispiel liefert aktuell die Evangelische Landeskirche in Sachsen. Nach dem Wirbel um die Vergangenheit und den Rücktritt des Landesbischofs Carsten Rentzing hat die Synode die Erarbeitung von Social Media-Richtlinien beschlossen. In dem Beschluss vom 18.11.2019 heißt es wörtlich:

„Das Landeskirchenamt wird gebeten, Richtlinien für die Nutzung und Kommunikation über Soziale Medien für alle kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erstellen. Diese Richtlinien sollen dem Umstand Rechnung tragen, dass jegliche öffentliche Kommunikation kirchlicher Beschäftigter in der Regel als Äußerung der Kirche wahrgenommen wird. Die Richtlinien sollen al Orientierung zum Verhalten im öffentlichen Leben der Medienkommunikation unter Wahrung der bürgerlichen Freiheitsrechte dienen.“ 

Bei Twitter wurde der entsprechende Beschluss-Text von einem Nutzer als möglicher „Maukorb“ kritisch aufgefasst:



Andere Nutzer dagegen wollen das Ergebnis abwarten. Ob es ein Maulkorb wird, hänge von der Anwendung ab.

Ausweg: Social Media-Workshop im Team organisieren!

Schon an diesen beiden Beispielen sieht man, wie sensibel dieses Thema auch bearbeitet werden muss. Ein Weg kann dabei zum Beispiel ein Workshop im Team sein: warum die Social Media-Guidelines nicht gemeinsam erarbeiten, an einem Workshop-Tag. Die Akzeptanz in der Belegschaft steigt, es handelt sich dann nicht nur um ein Papier, das irgendwo abgeheftet wird. Es ist dann aber auch allen Mitarbeitern klar, das Fehlverhalten sanktioniert werden kann.

Ich bin auf Eure Meinung gespannt. Sind solche Regeln sinnvoll? Wie weit müssen und dürfen sie gehen? Oder wird da am Ende in den Privatbereich von Mitarbeitern und in seine Meinungsfreiheit eingegriffen? Schreibt in die Kommentare oder teilte den Artikel!

Wenn Sie zu dem Thema Beratungs- oder Workshop-Bedarf haben, kann ich bei der Erstellung von Social Media-Guidelines in Ihrem Unternehmen helfen oder einen Workshop-Tag für Ihr Team organisieren. Kontaktieren Sie mich hier.

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