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Instagram-Fan-Accounts: Wie ein Dresden-Fan für die Stadt Instagram bespielt

Andreas Szabó 0

Zuletzt aktualisiert am 1. August 2022

Die Landeshauptstadt Dresden ist bei Facebook und Twitter sehr aktiv und sehr erfolgreich – und seit neuestem auch bei Instagram?! Vor allem das Hochwasser 2013 war ein entscheidender Grund für viele Behörden in Sachsen, aktiv zu werden in Social Media. Denn dort hatte sich damals viel Hilfe privat im Social Web organisiert. Gleichzeitig gab es dort viele Fragen, viele Gerüchte.

In einem Bericht (PDF) zum Hochwasser, von der sogenannten Kirchbach-Kommission, ist das damals so beschrieben worden:

“Während des Flutgeschehens in Sachsen war der Gebrauch Sozialer Netzwerke, vor allem von
Facebook, zur
• Organisation freiwilliger Hilfe
• gegenseitiger Information und
• Vermittlung von Spenden
in einem bis dahin nicht erlebten Ausmaß zu beobachten. Binnen Stunden entstand ein eigenes
soziales System, das, von außen betrachtet, ungemein chaotisch anmutete, jedoch mit seinen kurzen
Wegen, hierarchiefreien Instanzen, mit seiner Schnelligkeit, mit der Möglichkeit der Interaktion eine
große Zahl von Menschen erreichte und diese selbst zu Akteuren machte. Die Hochschule Mittweida
spricht von einer „explosionsartigen, viralen Verbreitung der Facebook Communities“ durch Nutzung
der Funktionalitäten des Netzwerks.”

Behörden entschieden damals: wir müssen in Social Media rein und dort kommunizieren. Um dort gezielt Gerüchten entgegen zu wirken und dort präsent zu sein, wo die Menschen kommunizieren und sich informieren.

Stadt Dresden nun bei Instagram?

Da wundert es nun kaum, dass es seit einigen Monaten auch den Instagram-Account @stadtdresden gibt. Problem dabei: hinter dem offiziell aussehenden Kanal steht gar nicht die Landeshauptstadt Dresden. Es handelt sich um einen extrem professionell aufgezogenen Fan-Account. Mit dem Logo der Landeshauptstadt, dem Account-Namen @stadtDresden, dem Account-Titel “Landeshauptstadt Dresden” und vielen sehr professionell gestalteten Stories erweckt der Account den Eindruck, dass es sich um ein offizielles Info-Angebot handelt.

Fans betreiben Account im Namen der Stadt Dresden

Erst ein Blick in die Beitrags-Texte, sowie der Bio-Text “Offizielles Profil für alle Dresden Fans!” geben Hinweise darauf, dass es sich hier möglicherweise nicht um ein offizielles Profil handelt. Auch das blaue Verifizierungshäkchen fehlt. Aber das geht auch anderen öffentlichen Stellen so, dass sie auf eine Verifizierung teilweise länger warten müssen, also noch kein Grund skeptisch zu werden.

Lackierer André (41) ist bei Instagram @stadtdresden

Hinter dem Insta-Account @stadtdresden steckt André, gelernter KFZ-Lackierer, 41 Jahre, aus Dresden. Ich habe ihn einfach direkt per Insta gefragt, wie es zu dem Account kam und warum er das macht. André hat mir sehr freundlich geantwortet. Es ist ein kleines Interview entstanden.

“Die Ähnlichkeit zu einem offiziellen Account der Stadt ist von mir bewusst gewählt worden.

“Ich liebe Dresden und wollte schon immer mal etwas machen um mich für Dresden zu engagieren (aber nach meiner Zeit & Vorstellung). Die Ähnlichkeit zu einem offiziellen Account der Stadt ist von mir bewusst gewählt worden. Ziel ist es die offiziellen Meldungen der Stadt auch auf Insta zu veröffentlichen. Somit habe ich mir ein wenig von anderen Seiten abgeschaut und versuche es ähnlich umzusetzen.”

André (41), ist @stadtdresden bei Instagram

Fan-Accounts kommen häufiger vor – wie damit umgehen?

André wurden bis zum Beginn dieser Recherche noch nicht von offizieller Seite auf den Account angesprochen oder gar zum Stopp aufgefordert: “Es gibt einige Nutzer die @stadtdresden in Storys oder Beiträgen verlinken. Ich gehe davon aus, dass die Nutzer, die der Seite nicht folgen, denken, dass es eine offizielle Seite der Stadt ist. Einen Kontakt zur Stadt gibt es nicht. Ob ich Ihnen aufgefallen bin, weiß ich nicht.”

“Unfair denjenigen gegenüber, die meinen, hier direkt Informationen der Stadtverwaltung zu erhalten”

Während dieser Text entsteht, frage ich auch beim Amt für Pressearbeit in Dresden an. Ein Mitarbeiter nimmt auch Kontakt auf zu André. Ob er den Account erstmal weiter betreiben kann? Vermutlich mit ein paar Änderungen. Die Onlineredaktion der Landeshauptstadt teilt auf meine Anfrage mit:

Wer nicht genau hinschaut, könnte durch Nutzung des Logos denken, dass es sich um einen offiziellen Kanal der Stadt handelt. Das ist unfair denjenigen gegenüber, die meinen, hier direkt Informationen der Stadtverwaltung zu erhalten. Und gegen die Nutzungsbedingungen von Instagram verstößt das so oder so. Wir gehen davon aus, dass der Betreiber das nachvollziehen kann und entsprechend zukünftig berücksichtigt.

Vielleicht gibt es ja auch ein Stellenangebot? Gute Social Media Manager gibt es ja nicht wie Sand am Meer. Für André jedenfalls hauptberuflich keine Option, er arbeitet lieber weiter in seinem “normalen” Job.

Fan-Account übernehmen oder mit bestimmten Spielregeln laufen lassen

Das Phänomen Fan-Accounts dürfte für die Landeshauptstadt Dresden nicht ganz neu sein. Vor Jahren gab es bei Twitter einen Account, der alle relevanten Stadt-Infos verbreitete. Der sehr engagierte Nutzer machte damals keinen Hehl daraus, dass es sich um ein privates Projekt handelt. Die Übergabe des Accounts ans Presseamt der Stadt Dresden erfolgte dann auch nach längerer Zeit.

Ressourcen für Stadtverwaltung entscheidend

Ob Instagram als Kanal neben Facebook und Twitter künftig für die allgemeine Öffentlichkeitsarbeit genutzt wird, dazu trifft die Onlineredaktion der Stadt Dresden noch keine konkrete Aussage: “Die Frage danach, welche Kommunikationskanäle wir nutzen, ist für unser Amt prinzipiell fortlaufend ein Thema. Am Ende entscheidet, wie wir mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen die Dresdnerinnen und Dresdner erreichen können. Wir sind / waren ja auch schon auf Instagram aktiv, sowohl mit Kanälen aus der Kernverwaltung (@nachtschicht_18_dresden, @dresden2025) als auch städtischer Einrichtungen.”

Ein Weg aus dem Ressourcen-Dilemma kann sein: sich zumindest die offiziellen “@-Handels”, also die Namen wie @stadtdresden pro Forma bei den wichtigsten Plattformen sichern. Auch wenn dort zunächst keine Inhalte publiziert werden. Und was auch ein gangbarer Weg ist: mit den Fan-Accountbetreibern sprechen. Ihnen verdeutlichen, dass eine offizielle Anmutung im Profil vermieden werden muss. Das ist jetzt in diesem konkreten Fall passiert. Dass also ganz klar und deutlich kommuniziert wird, dass es sich um einen Fan-Account handelt. Dass Logos und andere Kernelemente des CI nicht 1:1 genutzt werden können. Und dass das Urheberrecht und Regeln der Plattformen zu beachten sind.

Behörden können nicht auf allen Social Media-Hochzeiten tanzen

Datenschutzfragen, fehlende personelle und zeitliche Ressourcen, Budget, andere Schwerpunkte, noch fehlende Konzeption: es gibt viele Gründe, warum Kommunen und Behörden auf einigen Social Networks nicht vertreten sind. Wenn in ihrem Namen und mit ihrem Logo auf einer Plattform kommuniziert wird, sollten Sie steuernd eingreifen. Und sich gleichzeitig freuen, dass es so engagierte Menschen gibt, die ihre Thema mit nach außen tragen.

(Artikelbild: Symbolfoto Karl Köhler / unsplash; Screenshots: Instagram.com/stadtdresden)

Wenn Du Dir für Dich und Dein Team einen Social Media Workshop speziell für Instagram vorstellen könntest, kontaktiere mich gerne. Neben Fragen zu Fan-Accounts gehen wir ganz tief rein ins Thema Instagram, um Euren Account auf ein neues Level zu heben.

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