KI-Avatar statt Handy-Kamera: Eine sächsische Kommunalpolitikerin geht damit viral – so konsequent habe ich das in Sachsen bisher noch nicht gesehen.
Jana Witschetzky (AfD-Stadträtin und Kreisrätin in Meißen) veröffentlicht seit November 2025 auf Instagram, Facebook und TikTok Dutzende Videos, die vollständig mit einem KI-Avatar erstellt wurden. Nach Sichtung der Kanäle (Stand: Januar 2026) erreichen einige Clips teils sechsstellige Views, während frühere Videos eher im Bereich von wenigen hundert Aufrufen lagen.
Was genau passiert hier?
Produziert wurden die Clips mit „HeyGen“. Das ist eine KI-Webanwendung, um einen virtuellen Klon (Avatar) von sich zu erstellen: Bei genug Trainingsmaterial lassen sich Bild und Ton „klonen“ und als Avatar nutzen. Danach reicht es, einen Text einzufügen – nach ein paar Minuten ist das täuschend echt wirkende Video fertig. Preis: ab 29 US-Dollar/Monat.
Die Videos wirken auf den ersten Blick wie „klassische“ Talking-Head-Clips.
Teilweise sind sie als KI-generiert gekennzeichnet (Plattform-Label oder Hinweis im Video).
Der Produktionsaufwand verschiebt sich: weniger Aufnahme/Setup, mehr Textarbeit und Tool-Bedienung.
Praktisch heißt das: Wer genug Trainingsmaterial hat, kann ein Format bauen, das regelmäßig „sendefähig“ wirkt – ohne jedes Mal vor die Kamera zu müssen.
Virale Videos ohne Webagentur, ohne Videograf, ohne Cutter
Witschetzky sagt, sie mache alles selbst: Sie habe das Modell anfangs mehrere Stunden über drei Wochen trainiert, viel experimentiert, schreibt die Texte – und brauche pro Video etwa 1–2 Stunden.
Vorher lagen ihre Clips bei einigen hundert Aufrufen pro Video. Die KI-Videos erreichen inzwischen teilweise virale Reichweiten mit hunderttausenden Views. Seit November 2025 wurden über 50 KI-Clips veröffentlicht.
Nutzer stolpern über etwas “anderes”, bemerken KI aber erstmal nicht
Ein großer Teil der Nutzer bemerke zunächst nicht, dass es KI ist, sagt sie. Einige fragten nach, was „anders“ sei – insgesamt überwiege Neugier und Interesse. Aus einem Experiment sei mittlerweile ein festes Format geworden.
Selbst Medienprofis müssen zweimal hinsehen, um die KI zu erkennen. Am ehesten ist der etwas künstlich/steril wirkende Sound noch ein Hinweisgeber. Noch.
Avatar-Nutzung ist mir sonst in der sächsischen Politik noch nicht aufgefallen. Die CDU Fraktion nutzt manchmal KI-Grafiken für Postings (Grillmeister mit 6 Fingern), auch die Landeshauptstadt Dresden ging zu Jahresbeginn durch die Presse wegen einer KI-Broschüre mit einigen Fehlern. Der ehemalige Justizminister Marco Buschmann wiederum fiel kürzlich mit von sich selbst generierten KI-Fotos negativ auf.
Zur Person: Jana Witschetzky
Jana Witschetzky (38) sitzt für die AfD im Meißner Stadtrat und im Kreistag. Schlagzeilen gab es 2025, bei einem OB-Wahlkampf-Video von Compact ohne Genehmigung auf Schloss Proschwitz, sie war Interviewgast. Neben ihrer Tätigkeit als MdB-Büroleiterin für Karsten Hilse im Bundestag moderiert sie einen YouTube-Kanal mit 50.000 Abonnenten mit Themen wie “Gesund trotz Pharma?”, “Schützt impfen wirklich?” oder “Krebsheilung: Wasser als Lösung?!”. 2015 war sie in Dresden erstmals aktiv für “Wir sind Deutschland”.
