
Screenshot: Twitter.com
Mathias Rochow ist für Kenner der rechtsextremen Szene kein Unbekannter. Als Funktionär der NPD in Sachsen und langjähriger Bundesgeschäftsführer der NPD-Jugendorganisation JN gilt er zu den führenden Kadern der Rechtsextremen. Auch Wikipedia widmet Rochow einen
Eintrag. Und Rochow versteht sich offenbar auf clevere Öffentlichkeitsarbeit.
Über den Kurznachrichtendienst Twitter erreicht Rochow hunderte Menschen, selbst Medien und andere Parteien gehören zu seinen Lesern. Der Weg der Rechtsextremen NPD in die Mitte der Gesellschaft wird auf allen Kanälen betrieben und das sehr erfolgreich, wie das Beispiel Rochow zeigt. Oft sendet Rochow unverfängliches über seinen Account, meist Links zu Artikeln lokaler Medien. Dazwischen findet sich dann aber hin und wieder, ein
Link zu einer Pressemitteilung der NPD. So vermischt sich der Strom an unverfänglichen lokalen Links mit den Inhalten und Positionen der NPD zu diesen Themen.
Sogar die CDU folgt dem NPD-Mann
Der Twitter-Account @Mathias_Rochow hat über 200 Follower, darunter viele, die einen direkten Bezug zur rechten Szene und zur NPD haben. Ein kurze Google-Recherche oder ein kurzer Blick in die Follower-Liste würde genügen, um zu erkennen, wen man da vor sich hat. Dennoch hat sich der NPD-Funktionär eine beachtliche Anhängerschar verschafft. Selbst die Online-Redaktion der CDU (@
cdu_news) gehört zu den Abonnenten des NPD-Politikers, wie auch zahlreiche Medien: der öffentlich-rechtliche Hörfunksender JUMP (@
jump_onair), der private Sender RSA (@
RadioRSA), die Sächsische Zeitung (@
szkultur), der Nachrichtensender N-TV (@
ntvde) und sogar ProSieben (@
Prosieben).
Kopflose Twitteraccounts & Desinteresse
Dabei werden zwei Probleme offenkundig: erstens gibt es da die „kopflosen“ Twitteraccounts von Jump oder N-TV, die einfach jedem folgen, der ihnen followt. Eine aktive Kommunikation mit den Abonnenten findet nicht statt. Stattdessen wird bei JUMP Twitter als weiterer Marketingkanal genutzt, der mit reichlich Eigenwerbung bestückt wird.
Das zweite Problem trifft die fehlende Bereitschaft, sich intensiv mit dem Medium und seinen Nutzern auseinander zu setzen. Es mag auch einfach nur Schlampigkeit oder Unwissenheit sein. Zumindest Journalisten sollte das aber nicht passieren. Und für die CDU ist es einfach nur peinlich.