Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Wie funktioniert der Instagram Algorithmus (nicht)

Andreas Szabó 0

Zuletzt aktualisiert am 19. Juli 2021

Warum werden mir bestimmte Beiträge bei Instagram angezeigt und manche nicht. Warum erreichen manche Posts kaum Leute? Andere erhalten viele Likes oder Kommentare? Wie funktioniert die Technik dahinder, der Instagram Algorithmus? Auf diese Fragen hat der Instagram-Chef Adam Mosseri im Unternehmensblog geantwortet. Der Text ist für jeden beruflichen Instagram-Nutzer zu empfehlen.

Titel des Textes: “Shedding More Light on How Instagram Works“. Damit hat Mosseri einige schon bekannte Punkte konkretisiert. Und er hat einige Mythen abgeräumt. Der Insta-Chef gibt außerdem neue Einblicke, wie Instagram Inhalte filtert. Mosseri äußert sich zum “Shadowbanning”. Das nehmen Nutzer auf den ersten Blick gar nicht wahr. Und es geht um die aktive Filterung von Inhalten mit beispielsweise Politik oder Rauchen.

Instagram filtert politisches und gesundheitsschädliches

Im Explore-Bereich, der Such- und Entdeckerfunktion von Instagram, werden Beiträge herausgefiltert. Ebenso in den Reels, den neuen 15-30 Sekunden langen Kurzvideos. Gefiltert werden zum Beispiel Videos und Fotos, die Tabak- oder E-Zigarettenkonsum zeigen. Auch Beiträge von politischen Institutionen, Politikern oder mit politischen Botschaften werden dort nicht angezeigt. Dieses Eingeständnis von Instagram ist neu. Es zeigt die Problematik von Algorithmen und Filterfunktionen: für die aktive politische Willensbildung oder politische Kampagnen sind wir von den Betreibern abhängig. Der Insta-Explore-Bereich und Reels werden vom Konzern von derartigen Botschaften freigehalten. Instagram greift hier aktiv ein, filtert Inhalte.

Was ist der Instagram Algorithmus?

Das ist wohl eines der größten Missverständnisse, erläutert Mosseri: Es gibt nicht DEN einen Algorithmus. Instagram wertet für jeden Nutzer ständig tausende Signale aus. Anhand dieser Signale ergibt sich dann dein ganz persönlicher Algorithmus. Für den Feed, den Explorebereich und die Reels gibt es eigene Mechaniken. In den Stories werden vor allem Inhalte von engen Freunden angezeigt. Im Explore- und im Reelsbereich von Fremden. Und zwar Inhalte, die solchen ähneln, die du in der Vergangenheit geliket hast.

Mehr Reichweite und mehr Interaktion bei Instagram

Aus den Erläuterung des Instagram-Chefs habe ich vier ganz konkrete Tipps für mehr Sichtbarkeit bei Instagram abgeleitet:

Tipp 1: fordere deine Fans/Follower auf, dich in der App als engen Freud zu markieren. Damit sehen sie künftig deutlich häufiger deine Stories. Du kannst deine Stories übrigens auch exklusiv nur für enge Freude ausspielen. Die Funktion kennt kaum jemand. Und erst durch den Text von Adam Mosseri ist nun klar, dass Du die “enge Freunde”-Funktion auch als “Hack” nutzen kannst: Wenn deine Follower dich als engen Freund markieren, sind sie für den Algorithmus deutlich enger an dich gebunden. Sie sehen also mehr deiner Inhalte. Kennt kaum jemand diesen Trick!

Tipp 2: Im Explore-Bereich geht es darum, neue Inhalte zu entdecken. Beiträge von Freunden wirst Du hier also nicht finden. Viel mehr werden die Beiträge angezeigt, die ähnlich sind zu solchen, die Du in der Vergangenheit geliket, kommentiert oder gespeichert hast. Wie kannst Du also im Explore-Bereich landen? Wenn Du Beiträge erstellst, mit denen viele Menschen interagieren. Suche also Beiträge, die viel Interaktion erhalten und versuche diese für dich zu adaptieren. Schau insbesondere, was deine Zielgruppe und deine Freunde liken und kommentieren.

Tipp 3: Beiträge mit Wasserzeichen, zum Beispiel TikTok-Videos, werden in den Reels schlecht ausgespielt und gefiltert. Lade bei Instagram also im besten Fall Originalvideos hoch und nicht die Kopie von TikTok.

Tipp 4: Vermeide Inhalte und Hashtags, die für eine automatische Filterung (Shadowban) sorgen: Zigarettenkonsum, politisches und Gewalt beispielsweise. Und in Sachen Hashtags ist es hilfreich, jeden Hashtag vorab zu prüfen. Auf der “Schwarzen Liste” stehen zum Beispiel #Snapchat, aber auch #Alone #bikinibody oder #Brain und #streetphoto werden gefiltert.

Wie landen Beiträge in Deinem Feed?

Der Instagram Chef hat erläutert, dass es tausende von Signalen gibt, auf die im Hintergrund geachtet wird. Diese Signale sind quasi der Instagram Algorithmus. Die vier wichtigsten Kategorien von Signalen sind demnach…

  • Infomationen über den Beitrag selbst: wie populär ist dieser, wie viele Likes, wo und wann gepostet.
  • Informationen über den Ersteller des Beitrages: wie interessant könnte der Ersteller sein, wie häufig haben zuletzt Leute mit seinen Inhalten interagiert
  • Deine Aktivitäten: wie viele Posts hast du zuletzt geliket, was interessiert dich.
  • Wie Du in der Vergangenheit mit jemanden interagiert hast: wie interessiert bist du an Inhalten einer bestimmten Person, wie häufig hast Du dort beispielsweise in der Vergangenheit kommentiert.

Je wahrscheinlicher eine Interaktion ist, desto eher siehst Du einen Beitrag

Anhand dieser Signale, die Instagram ständig auswertet und gewichtet, erfolgt eine Schätzung. Instagram schätzt, wie wahrscheinlich es ist, dass Du mit einem bestimmten Inhalt interagierst. Glaubt Instagram, dass du sehr wahrscheinlich bei einem Post likest, wirst du diesen deutlich schneller oben im Feed sehen. Das erläuterte Mosseri in dem Text: “The more likely you are to take an action, and the more heavily we weigh that action, the higher up you’ll see the post.” Das könnte man als als den Instragram Algorithmus bezeichnen.

Der chronologische Feed ist bei Instagram schon vor einigen Jahren verschwunden. Schon damals haben die Leute nicht ein mal 50 Prozent der Beiträge ihrer Freunde gesehen. Einfach weil es zu viele Inhalte gibt für eine begrenzte Nutzungszeit. Dazu eine Beispielrechnung:

Du folgst 200 Accounts. Von denen erstellt jeder pro Woche einen Post. Du hast eine Aufmerksamkeitsspanne von 3 Sekunden pro Post beim Scrollen. Dann scrollst du allein 10 Minuten, um wirklich alle geposteten Beiträge zumindest für wenige Sekunden zu sehen. Dann hast Du aber noch nichts geliket oder kommentiert. Noch keine Story, kein Reel, kein Video angesehen… Du merkst: Es ist kaum möglich, wirklich alle Postings zu sehen.

Überangebot an Inhalten in Social Media

Es gibt einfach ein Überangebot. Und deswegen nutzen die Social Networks ihre Algorithmen und Filter. Die funktionieren mal gut, mal weniger gut. Im schlimmsten Fall werden sie zum Mittel für Zensur. Es entstehen Filterblasen. Und du bekommst immer wieder nur schon bereits Bekanntes und Vertrautes angezeigt. Dinge die Deine Meinung bestätigen. Wo du also potentiell schnell “like” drückst. Keine neuen Ideen oder Gedanken. Keine zweite Meinung. Kein anderer Blick. Ganz schön eintönig. Und möglicherweise auch gefährlich für unsere Demokratie. Deswegen ist ein selbstkritischer Umgang und ein Bewusstsein für diese Mechanismen so wichtig.

Wenn Du in Deiner Firma, in deinem Verein, deiner Institution oder Partei Instagram weiter nach vorne bringen willst: Dann melde Dich gern bei mir. Ich biete individuelle Social Media Seminare in Dresden. Instagram-Workshops biete ich als 1-4 stündige Online-Veranstaltung an. Gerne auch als Halb- oder Ganztagsseminar in Dresden und Umgebung. Und es sind auch Workshops zu Facebook, Twitter, Videos, Podcasts oder Pressearbeit möglich.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.