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Die Audio-Social-Networks kommen: Clubhouse vs. Twitter-Spaces

Andreas Szabó 0

Nach einer intensiven Woche in der Social Media-Trend-App 2021 Clubhouse bin ich in der vergangenen Nacht zufällig über die nahezu baugleiche Audio-Funktion von Twitter gestolpert: “Spaces”. Diese Spaces werden aktuell nur einem kleinen Anteil der Nutzer angezeigt und in einer Betaphase getestet.

Das Prinzip in den Twitter-Spaces ist ähnlich zu dem von Clubhouse: die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschen sich nur per Audio in einem gemeinsamen Raum aus. Wer möchte, kommt mit auf die “Stage”, also auf die Bühne. Dort kann er mit den Anderen auf der Bühne diskutieren. Die Zuhörer im Publikum hören zu.

Die neue Twitter-Funktion Spaces ist noch absolut in der Beta-Test-Phase. Bisher können nur wenige hundert US-Nutzer eigene Räume starten, also Gesprächsrunden eröffnen. Teilnehmen kann aber schon jetzt jeder Twitter-Nutzer. Das sagte mir der Twitter-Mitarbeiter Kayvon Beykpour. Kayvon ist nach eigenen Angaben in seiner Biografie Mitbegründer von Periscope und jetzt Produktmanager bei Twitter. Voraussetzung ist bis dato allerdings die iOS-App.

Erste Erfahrungen mit Twitter-Spaces

Screenshot von Twitter Spaces

Hier meine nächtliche “User-Experience” kurz geschildert. Es war spät, es war überraschend, deswegen ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die Spaces-Funktion kam bei mir wortwörtlich über Nacht in die App auf dem Smartphone (iOS), ohne große Ankündigung, ohne Erklärung. Es war einfach nur etwas anders:

Offene Räume (Spaces) werden in der App oben links neben den “Fleets” angezeigt. Ein anderer Weg in einen Raum zum kommen, ist per Direktlink. Betreten kann den Raum jeder Twitter-Nutzer.

Räume eröffnen können aktuell nur einige hundert Beta-Tester. Ich selbst werde demnächst einen Beta-Zugang erhalten, um dann auch selbst Räume öffnen zu können.

Ähnlich wie bei Clubhouse gibt es auch bei Twitter-Spaces Speaker (Redner) und Zuhörer. Aktuell ist allerdings nur ein Moderator möglich. Und dieser Moderator, ein normaler Twitter-User, war in der vergangenen Nacht sichtlich überrascht, als plötzlich der Twitter-Verantwortliche Kayvon im Raum war und sich den Fragen der Audience stellte. Zahlreiche Nutzer schickten daraufhin eine Gesprächsanfrage. Hier besteht im Vergleich zu Clubhouse noch Nachholbedarf, da bis dato eben nur dieser eine Moderator möglich ist. Bei Clubhouse zeigt es sich aber, dass für große Räume für die Moderation mindestens 2 besser sogar 3 Moderatoren am Start sind. Einer kann das Gespräch führen, einer Gäste aus der Audience aufs Podium holen oder wieder runterschicken. Der dritte scannt das Publikum nach interessanten Gästen. Das kann eine Aufteilung sein.

Abstürze und Performance-Probleme bei großer Audience

Dass Twitter-Spaces noch eine Beta-Version ist, zeigte sich im Laufe der Nacht: Das System kam bei etwas über 100 Nutzern an seine Grenzen, stürzte auch mal ab. Der Ton eines Spaces kann, wie auch bei Clubhouse, im Hintergrund weiter mitgehört werden, während man anderen Tätigkeiten nachgeht. Öffnet man allerdings seine Kamera-App (zum Beispiel, weil man ein Fleet erstellen will), wird der Ton des Spaces stumm geschaltet, lässt sich auch nicht mehr aktivieren. Hier hilft dann nur App neu starten, Raum neu betreten. Als Moderator/Sprecher sollte man davon besser Abstand nehmen.

Allgemein der Ton: für meine geschulten Ohren war die Tonqualität etwas geringer als bei Clubhouse. Komprimierungsartefakte waren immer wieder deutlich zu hören, ebenso Tonaussetzer.

Für Verwirrung sorgte bei Nutzern an diesem Abend, dass man mit Emojis seine Zustimmung signalisieren oder seine Hand heben kann, um anzuzeigen, dass man sprechen will. Um dann aber wirklich auf die Bühne geladen zu werden, muss man unten links auf “Sprechwunsch” klicken. Das verwirrte einige User, denn das ist bei Clubhouse übersichtlicher gestaltet.

Ein wirklich sinnvolles Tool, das die Spaces mit Twitter super verknüpft, ist die Möglichkeit für Sprecher und Moderatorinnen, mehrere Tweets oben am Raum anzuheften. Man kann sich durch die angehefteten Tweets einfach durchscrollen, diese können später auch ausgetauscht werden. So kann man einem Gespräch mehr Kontext geben oder bestimmte Tweets für eine Diskussion allen präsentieren. Super gelöst.

Das absolute Killerargument, das für Twitter und gegen Clubhouse spricht aus meiner Sicht: es ist eine automatische Untertitelung / Transkripierung in Echtzeit live. Dieses Feature lässt sich von Redner und Moderator aktivieren. Testen konnte ich es an dem Abend noch nicht. Aber damit wird im Sinne der Barrierefreiheit auch für Gehörlose ein wichtiger Schritt getan. Und prinzipiell könnte man die App dann auch im Stumm-Modus nutzen. Oder vielleicht sogar Gespräche nachlesen, sollte das Transkript gesichert werden.

Zuletzt war ich überrascht, als ich plötzlich diese neue Funktion über Nacht in meiner App hatte. Ohne etwas zu installieren, ohne dass ich den Teilnehmern gefolgt wäre. Die Funktion und der Space waren einfach da. Und es hat trotz der frühen Beta-Phase (läuft wohl seit Ende Dezmeber 2020) schon recht gut funktioniert. Allerdings merkt man Clubhouse im direkten Vergleich an, dass diese App für Audio-only programmiert wurde. Es wird sich auch zeigen müssen, ob die neue Audio-Funktion in Twitter größeren Anklang als die kaum genutzten Fleets findet und neue Nutzer nicht eher verwirrt. Andrerseits ist das Twitter mit dem Kauf und der kompletten Integration von Periscope schon mal gelungen. Warum also nicht auch im Audio-Bereich?

Mehr zu Twitter-Spaces kannst Du auch in der Twitter-Hilfe nachlesen.

Zeitgleich mit mir ist auch der Journalist Ralph Kühnl in den Spaces gelandet. Seinen Erfahrungsbericht kann ich voll und ganz unterstreichen.

Clubhouse versus Twitter-Spaces

Vorteile Clubhouse

  • Standalone Audio-Only-App
  • Großer Hype und derzeit etwas buntere Nutzerschaft (durch Hype in der Insta- und Twitter-Blase)
  • Deutlich schneller gewesen, Clubhouse ist seit April 2020 am Start
  • Mit über 10.000 aktiven Nutzern in Deutschland breite Basis zum Start. Weltweit über 2 Millionen Nutzer, gaben die Gründer in ihrem Blog an. (Quelle: eigene Recherche in offenen Räumen und Anhand von Schattenprofilen für zentrale Dienste für Notruf/ADAC)
  • Tonqualität etwas besser als bei Twitter
  • Hohe dichte an Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, Politik und den Medien
  • Wir wissen jetzt, wie viel Candy Crush Level man in einer Ministerpräsidentenkonferenz schafft (10)

Vorteile Twitter Spaces

Zwischenstand 7:7!

Als großer Twitter-Fan fände ich es cool, wenn sich Spaces auch in Deutschland etablieren. Andererseits gefällt mir an Clubhouse der absolute Fokus auf das gesprochene Live-Wort. Interessant ist bei Clubhouse auch der Mix an Twitter- und Instagram-Nutzern, die plötzlich aufeinander prallen. In beiden Networks wurde Clubhouse gehypt. Und so diskutiert Carmushka neben Sigmar Gabriel. Onkel Banjou sitzt einen Raum weiter neben Gerhard Schröder. Schräg aber irgendwie auch faszinierend. Und wer weiß: vielleicht kommen auch Facebook oder Youtube mit einer entsprechenden Funktionalität um die Ecke.

Mir als langjährigem Radiomacher und Audiofan geht jedenfalls das Herz auf, was sich jetzt nach dem Podcast- und Smartspeaker-Boom weiterhin im Social Web in Sachen Audio tut.

Wenn Du mehr Interesse an Clubhouse und Spaces hast, dann melde Dich gerne. Wenn Du für Dich und Dein Team mehr Social Media-Input benötigst, melde Dich gerne zum Beispiel für eine Social Media Weiterbildung in Dresden. Ich entwerfe ein individuelles Angebot für Unternehmer, Führungskräfte und ÖA-/Marketing-Teams: zum Beispiel in Sachen Pressearbeit, Onlineredaktion, Social Media Strategie und speziell für Instagram, Facebook, Twitter und Video.

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